Farina di Senatore Cappelli 🌾 – ein Hartweizen mit Geschichte

Es gibt Mehle, die einfach ein Lebensmittel sind. Und es gibt Mehle, hinter denen eine Geschichte steckt.
Bild von Gisela Martin

Gisela Martin

August 30, 2026

Das Farina di Grano duro Senatore Cappelli gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Sie wird aus einer alten italienischen Hartweizensorte hergestellt, die Anfang des 20. Jahrhunderts von dem italienischen Getreideforscher Nazareno Strampelli gezüchtet wurde.

Heute erlebt diese besondere Sorte eine kleine Renaissance – und das nicht nur bei Pasta-Liebhabern.

🇮🇹 Wer war Senatore Cappelli?

Beginnen wir mit dem Namen, denn hinter ihm steckt tatsächlich ein Mensch.

Raffaele Cappelli war ein italienischer Senator und Großgrundbesitzer aus den Abruzzen, der sich intensiv mit der Landwirtschaft beschäftigte. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts setzte er sich insbesondere für die Modernisierung der Landwirtschaft in Apulien ein.

Cappelli stellte unter anderem Land für landwirtschaftliche Versuche zur Verfügung und unterstützte damit den Getreideforscher Nazareno Strampelli.

Strampelli arbeitete an der Züchtung neuer, leistungsfähiger Getreidesorten. Aus einer nordafrikanischen Hartweizenpopulation namens Jenah Rhetifah entwickelte er durch gezielte Selektion eine neue Hartweizensorte.

1915 wurde sie offiziell eingeführt – und Strampelli gab ihr zu Ehren seines Unterstützers den Namen Senatore Cappelli.

🌾 Eine Weizensorte, die Italien eroberte

Der Senatore Cappelli war kein kleines, unscheinbares Getreide.

Die Pflanzen werden außergewöhnlich hoch und können etwa 1,50 bis 1,60 Meter erreichen. Dadurch waren sie zwar beeindruckend anzusehen, aber für die moderne Landwirtschaft auch problematisch: Bei Wind und Regen konnten die langen Halme leicht umknicken.

Trotzdem wurde die Sorte in Italien zu einem riesigen Erfolg.

Ihre Robustheit, ihre Anpassungsfähigkeit und vor allem die hervorragende Qualität der daraus gewonnenen Semola machten sie über Jahrzehnte zu einer der wichtigsten Hartweizensorten Italiens. In den 1940er-Jahren erreichte Senatore Cappelli einen Anteil von mehr als der Hälfte der italienischen Hartweizenfläche. Bis in die 1960er-Jahre war sie eine der am weitesten verbreiteten Hartweizensorten des Landes.

Dann änderte sich die Landwirtschaft.

🌱 Warum verschwand Senatore Cappelli?

Mit der zunehmenden Industrialisierung der Landwirtschaft wurden kürzere und ertragreichere Getreidesorten immer interessanter.

Die hohe Wuchshöhe des Senatore Cappelli war jetzt eher ein Nachteil. Moderne Sorten konnten mit mehr Dünger umgehen, waren standfester und ließen sich besser maschinell ernten. Kurz zusammengefasst: die neuen Züchtungen waren günstiger in der Produktion.

So verschwand die alte Sorte nach und nach von den Feldern.

Heute wird Senatore Cappelli wieder in kleinerem Umfang angebaut. Gerade die Eigenschaften, die früher als Nachteil galten, machen die Sorte für viele Liebhaber heute wieder interessant: ihre Geschichte, ihr charakteristischer Geschmack und die Qualität ihrer Semola.

🍞 Wie schmeckt Senatore Cappelli?

Senatore Cappelli wird für seinen intensiven, vollmundigen Geschmack geschätzt.

Aus dem Hartweizen entstehen aromatische Mehle und Semola, die besonders gut zu rustikalem Brot, Pizza und natürlich Pasta passen.

Wer einmal Pasta aus Senatore Cappelli probiert hat, bemerkt häufig, dass sie geschmacklich etwas kräftiger und charaktervoller wirkt als Pasta aus gewöhnlichem Hartweizen.

Besonders spannend ist das bei Vollkornmehl: Durch die Verwendung des gesamten Korns kommen neben dem eigentlichen Getreidearoma auch die kräftigeren, leicht nussigen Noten des Keimlings und der Randschichten zur Geltung.

🥖 Senatore Cappelli für Brot und Pizza

Senatore Cappelli ist längst nicht nur ein Pastamehl.

Auch Bäcker haben die alte Hartweizensorte wiederentdeckt. Sie eignet sich für Brot, Focaccia und Pizza und verleiht den Teigen einen kräftigen, charaktervollen Getreidegeschmack.

Besonders häufig findet man Senatore Cappelli als Vollkornmehl oder als traditionell vermahlene Semola.

Bei einer schonenden Vermahlung können auch die Bestandteile des Getreidekorns erhalten bleiben, die bei einer starken Ausmahlung und anschließenden Raffination teilweise verloren gehen.

🍝 Und natürlich: Pasta!

Als Hartweizen ist Senatore Cappelli geradezu prädestiniert für Pasta.

Aus der Semola lassen sich sowohl extrudierte Pasta als auch handgemachte Formen herstellen. Besonders schön passt die kräftige Getreidenote zu rustikalen süditalienischen Pastaformen.

Für Pasta wird Senatore Cappelli je nach gewünschtem Ergebnis als reine Sorte oder zusammen mit anderen Hartweizenmehlen verwendet.

Das Ergebnis ist eine Pasta mit einem charakteristischen Geschmack und einem schönen, kräftigen Biss.

🌿 Ist Senatore Cappelli besser verträglich?

Das ist eine der Fragen, die heute besonders häufig gestellt werden – und hier lohnt sich ein genauer Blick.

Senatore Cappelli wird oft als bekömmlicher oder besser verträglich beschrieben. Dafür gibt es tatsächlich interessante wissenschaftliche Hinweise.

Eine doppelblinde klinische Studie mit Menschen, bei denen eine nicht-zöliakische Weizensensitivität diagnostiziert worden war, verglich Pasta aus Senatore Cappelli mit herkömmlicher Pasta. Das Ergebnis war, dass der Verzehr der Senatore-Cappelli-Pasta bei den Teilnehmern mit einer geringeren Symptomatik verbunden war, weitere Untersuchungen sind jedoch notwendig. D.h. es gibt viele Hinweise, aber keinen abschliessenden Beleg.

Senatore Cappelli ist nicht glutenfrei, d.h. es ist nicht so, dass es von Menschen mit Zöliakie problemlos gegessen werden kann. Auch enthält die Sorte durchaus Gluten – teilweise sogar relativ viel Protein.

Für Menschen, die bei Weizenprodukten mit Beschwerden reagieren, kann Senatore Cappelli dennoch interessant sein. Es lohnt sich, selbst auszuprobieren, ob man diese alte Sorte besser verträgt als gewöhnliche Weizenprodukte.

🪨 Warum wird Senatore Cappelli gerne steingemahlen?

Senatore Cappelli findet man häufig als traditionell oder steingemahlenes Mehl.

Bei der Steinvermahlung wird das Getreide vergleichsweise schonend und bei niedrigerer Temperatur gemahlen. Je nach Mahlverfahren und Ausmahlungsgrad können dabei mehr Bestandteile des ganzen Korns erhalten bleiben.

Gerade bei einem Vollkornmehl ist das interessant: Hier werden nicht nur der Mehlkörper, sondern auch Randschichten und Keimling mitverarbeitet.

Das Ergebnis ist ein aromatisches Mehl, das sich sowohl geschmacklich als auch in seiner Verarbeitung von stark raffinierten Mehlen unterscheidet.

🌾 Ein altes Getreide, das wiederentdeckt wird

Senatore Cappelli ist ein schönes Beispiel dafür, dass „alt“ nicht automatisch „überholt“ bedeutet.

Die Sorte war einst aus der italienischen Landwirtschaft kaum wegzudenken. Dann wurde sie von moderneren, ertragreicheren Sorten verdrängt – und heute entdecken Bäcker, Pastamacher und Liebhaber traditioneller italienischer Küche ihre besonderen Eigenschaften wieder.

Vielleicht ist das auch das Schönste an Senatore Cappelli:

Man holt sich mit diesem Mehl nicht einfach eine alte Getreidesorte in die Küche, sondern ein kleines Stück italienische Agrargeschichte.

📌 Senatore Cappelli auf einen Blick

Eigenschaft Senatore Cappelli
Getreideart Hartweizen (Triticum durum)
Herkunft Italien
Entstehung 1915
Züchter Nazareno Strampelli
Namensgeber Senator Raffaele Cappelli
Besonderheit alte, hochwachsende Hartweizensorte
Geschmack kräftig, vollmundig, aromatisch
Verwendung Pasta, Brot, Pizza, Focaccia
Häufige Verarbeitung Vollkorn- und steingemahlene Mehle
Gluten enthält Gluten
Besonderheit bei Verträglichkeit interessante Hinweise bei nicht-zöliakischer Weizensensitivität, aber kein glutenfreies oder generell besser verträgliches Mehl

📷 Farina di Grano duro Senatore Cappelli


Farina di Grano duro Senatore Cappelli aus einer historischen italienischen Hartweizensorte. Das aromatische Mehl eignet sich für Pasta, Brot, Pizza und Focaccia.

Tipps vom Profi


Warning: acf-text(): ACF Text Field value must be string, but is type of: NULL in /var/www/pastalogia.de/wp-includes/functions.php on line 6260

FAQ

Was ist Senatore Cappelli?

Senatore Cappelli ist eine alte italienische Hartweizensorte, die 1915 vom Getreideforscher Nazareno Strampelli gezüchtet wurde. Heute wird sie wieder in kleinerem Umfang angebaut und vor allem für Pasta, Brot und Pizza verwendet.

Warum heißt der Hartweizen Senatore Cappelli?

Die Sorte wurde nach Raffaele Cappelli, einem italienischen Senator und Unterstützer von Nazareno Strampelli, benannt. Cappelli stellte Strampelli unter anderem landwirtschaftliche Flächen für seine Forschungsarbeiten zur Verfügung.

Ist Senatore Cappelli ein Urgetreide?

Senatore Cappelli wird häufig als „altes“ oder „antikes“ Getreide bezeichnet. Genau genommen handelt es sich um eine historische Hartweizensorte aus dem frühen 20. Jahrhundert und nicht um ein unverändertes Urgetreide wie Einkorn.

Ist Senatore Cappelli glutenfrei?

Nein. Senatore Cappelli ist Hartweizen und enthält Gluten. Menschen mit Zöliakie sollten die Sorte daher nicht als glutenfreie Alternative verwenden.

Ist Senatore Cappelli besser verträglich?

Es gibt wissenschaftliche Hinweise darauf, dass Produkte aus Senatore Cappelli von manchen Menschen mit nicht-zöliakischer Weizensensitivität besser vertragen werden können. Eine klinische Studie zeigte bei den untersuchten Personen weniger Beschwerden nach dem Verzehr von Senatore-Cappelli-Pasta. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Sorte grundsätzlich für jeden besser verträglich ist.

Eignet sich Senatore Cappelli für Pasta?

Ja. Als Hartweizensorte eignet sich Senatore Cappelli hervorragend für Pasta. Aus der Semola lassen sich sowohl handgemachte Pasta als auch extrudierte Pasta herstellen.

Kann man mit Senatore Cappelli Brot backen?

Ja. Das Mehl eignet sich auch für Brot, Pizza und Focaccia. Besonders Vollkornmehle aus Senatore Cappelli verleihen Backwaren ein kräftiges, aromatisches Getreideprofil.

Warum ist Senatore Cappelli heute wieder beliebt?

Die alte Sorte überzeugt vor allem durch ihren charakteristischen Geschmack, ihre traditionelle Geschichte und ihre vielseitige Verwendung. Gleichzeitig wächst das Interesse an alten Getreidesorten und handwerklich hergestellten Lebensmitteln.

In diesem Artikel

Bild von Gisela Martin

Gisela Martin

Gründerin & Pasta-Expertin
Schon als Sechsjährige war Gisela klar: Sie wollte Italienerin werden. Die Liebe zu Italien ist geblieben – und seit über 15 Jahren dreht sich bei ihr alles um Pasta. Als Gründerin von Gaumen Freunde kennt sie Pastaformen, Matrizen und Nudelmaschinen aus dem Effeff und verbindet italienische Kultur mit ihrer Leidenschaft für Pasta.

VERWANDTE THEMEN

Weitere Artikel

Pastaformen, Matrizen & Werkzeuge

Conchiglione 🍝– die große Muschel zum Füllen

Bild von Gisela Martin

Gisela Martin

9 Min

Nudelteig

Nudelteil für Bottene Nudelmaschinen – 33 % Flüssigkeit

Bild von Gisela Martin

Gisela Martin

3 Min

Mehlkunde

Farina di Grano Arso 🌾 – aus der Not geboren, heute eine Delikatesse

Bild von Gisela Martin

Gisela Martin

9 Min