August 22, 2026
Im Sardischen ist dieser traditionelle Korb unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt, darunter su ciuliri. Je nach Region und Schreibweise finden sich auch Namen wie su ciùiri, ciuliri oder su sadazzu. Im Italienischen wird er häufig einfach als setaccio, also „Sieb“, bezeichnet.
Und genau das war er ursprünglich auch.
Auf den ersten Blick wirkt der flache, geflochtene Korb tatsächlich wie ein einfaches Sieb. In der traditionellen sardischen Küche wurde er unter anderem dazu verwendet, Getreide zu sieben und beispielsweise Kleie vom Grieß zu trennen.
Seine besondere Bedeutung für die sardische Küche bekam er jedoch durch eine ganz andere Verwendung.
Die geflochtene Struktur des Korbes eignete sich hervorragend dazu, kleine Stücke Nudelteig darüber zu rollen. Genau diese Technik wurde traditionell für die Herstellung von Malloreddus verwendet.
Ein kleines Stück Nudelteig wird dabei mit dem Daumen gegen die geflochtene Oberfläche gedrückt und über die Streben des Korbes gezogen. Dabei entsteht die charakteristische leicht gebogene Form mit den feinen Rillen.
Heute übernimmt diese Aufgabe meist ein kleines Gnocchibrett aus Holz. Die Grundidee ist jedoch dieselbe geblieben.
Für Malloreddus wird klassischerweise ein einfacher Teig aus Hartweizengrieß und Wasser hergestellt. Daraus formt man zunächst dünne Teigstränge, die in kleine Stücke geschnitten werden.
Jedes dieser Stückchen wird anschließend einzeln über die geflochtene Oberfläche des ciuliri gezogen.
Dabei passiert in einem einzigen Handgriff erstaunlich viel: Der Teig wird flachgedrückt, erhält seine gebogene Form und gleichzeitig die charakteristische Riffelung.
Die Struktur ist nicht nur dekorativ. Die kleinen Rillen vergrößern die Oberfläche der Pasta und helfen dabei, später Sauce aufzunehmen.
Auch der Name der Pasta erzählt ein kleines Stück sardischer Geschichte.
Malloreddus ist der Plural von malloreddu. Die Bezeichnung wird häufig mit dem sardischen Wort malloru in Verbindung gebracht. Die kleinen, rundlichen und leicht bauchigen Gnocchetti sollen dabei an kleine Kälbchen erinnert haben.
Ganz einheitlich ist die Erklärung des Namens allerdings nicht überliefert. Und auch die Pasta selbst trägt auf Sardinien nicht überall denselben Namen. Je nach Region gibt es unterschiedliche Bezeichnungen und Varianten.
Das passt zu einer Pasta, die tief in der sardischen Alltagsküche verwurzelt ist: Ihre Form, ihr Name und sogar die Art ihrer Herstellung können regional unterschiedliche Geschichten erzählen.
Das eigentlich Faszinierende am ciuliri ist für mich aber etwas anderes.
Dieser unscheinbare Korb konnte gleich mehrere Aufgaben übernehmen:
Sieben – Formen – Trocknen
Er war zunächst ein Arbeitsgerät für Getreide und Mehl. Gleichzeitig konnte auf seiner geflochtenen Oberfläche Pasta hergestellt werden. Die fertigen Malloreddus konnten anschließend darin gesammelt und zum Trocknen aufbewahrt werden.
Ein einziges Utensil erfüllte damit mehrere Aufgaben, die heute von ganz unterschiedlichen Küchengegenständen übernommen werden.
Genau diese Vielseitigkeit findet man bei vielen traditionellen Küchenwerkzeugen: Sie wurden nicht für eine einzige spezielle Aufgabe entwickelt, sondern mussten im Alltag möglichst praktisch und vielseitig sein.
Das Material ist ebenso interessant wie die Technik.
Traditionelle sardische Körbe werden je nach Region aus unterschiedlichen Pflanzenfasern hergestellt. In den trockeneren und hügeligeren Regionen Sardiniens spielte beispielsweise Affodill eine wichtige Rolle. In den flachen Gegenden rund um Teiche, Lagunen und das Meer wird dagegen traditionell Giunco, also Binse, verwendet.
Für den ciuliri, den wir hier vorstellen, wird Giunco verwendet.
Das ist kein beliebiges Gras, das irgendwo auf Sardinien gesammelt werden kann. Verschiedene Giunco-Arten wachsen bevorzugt an feuchten Standorten, etwa an den Rändern von Teichen, Lagunen und Sumpfgebieten. Das Museum für mediterrane Flechtkunst in Castelsardo nennt unter anderem Juncus acutus und weitere Giunco-Arten als traditionelle Materialien für die sardische Flechtkunst.
Die Pflanze wird gesammelt, getrocknet und anschließend für die Verarbeitung vorbereitet. Je nach Verwendungszweck können die Halme als Ganzes verarbeitet oder längs in schmalere Streifen geteilt werden.
Wie uns Ignaziu, einer der letzten uns bekannten sardischen Korbflechter, erzählt hat, ist die Beschaffung des richtigen Giunco allerdings keineswegs so einfach, wie man vielleicht denken könnte.
Er kennt die Pflanzen und ihre Eigenschaften aus eigener Erfahrung und weiß, dass das Material nur in bestimmten feuchten Gegenden Sardiniens wächst. Entscheidend ist dabei nicht nur der Standort. Auch der Zeitpunkt der Ernte und die Bedingungen während des Wachstums spielen eine Rolle.
Nach seiner Erfahrung gibt es deshalb jedes Jahr nur ein relativ kleines Zeitfenster, in dem der Giunco geerntet werden kann.
Wird die Pflanze unter ungünstigen Bedingungen geerntet oder stimmt das Wetter nicht, kann das Material nach dem Trocknen seine gewünschten Eigenschaften verlieren. Es wird dann weniger elastisch und lässt sich schlechter verarbeiten.
Das erklärt auch, warum es nicht einfach möglich ist, irgendwo auf Sardinien einen beliebigen Korbflechter zu finden und ihn denselben Korb herstellen zu lassen. Nicht nur die Flechttechnik muss beherrscht werden – auch das Wissen über das Material gehört zum Handwerk.
Und genau hier wird die Geschichte des ciuliri besonders interessant.
Das Flechten traditioneller Körbe gehört zum kulturellen Erbe Sardiniens und wurde über Generationen weitergegeben. Je nach Region entstanden unterschiedliche Formen und Techniken aus unterschiedlichen Pflanzenmaterialien.
Doch Tradition allein bedeutet nicht, dass ein Handwerk automatisch weiterlebt.
Die Zahl der Menschen, die solche Körbe noch nach traditionellen Methoden herstellen können, ist klein geworden.
Auch Ignaziu weiß, dass dieses Wissen irgendwann verloren gehen könnte. Er kann nicht für immer weiterflechten – und wenn niemand von ihm lernt, endet mit ihm auch ein Teil dieses handwerklichen Wissens.
Deshalb sucht Ignaziu Menschen, die dieses Handwerk erlernen möchten. Er ist bereit, sein Wissen weiterzugeben und einem interessierten Nachwuchs die traditionelle Herstellung zu zeigen.
Das finden wir besonders wertvoll.
Denn bei einem handgeflochtenen ciuliri geht es nicht nur um einen Korb. Es geht um Kenntnisse über Pflanzen, Ernte, Trocknung, Materialeigenschaften und natürlich um eine Flechttechnik, die man nicht aus einem Buch lernen kann.
Wer Interesse daran hat, das traditionelle sardische Korbflechten von Ignaziu zu erlernen, kann sich gerne an uns wenden. Wir stellen den Kontakt zu ihm her.
Früher war ein solcher Korb kein Ausstellungsstück und kein nostalgisches Souvenir. Er war ein Gebrauchsgegenstand.
Er wurde zum Sieben verwendet, bei der Herstellung von Lebensmitteln eingesetzt und anschließend wieder weggeräumt bzw. an diei Wand gehängt :-). Genau wie viele andere traditionelle Küchenutensilien musste er funktionieren und lange halten.
Heute ist ein ciuliri dagegen etwas Besonderes geworden.
Das liegt nicht nur daran, dass die traditionelle Herstellung aufwendig ist. Es liegt vor allem daran, dass das Wissen dahinter immer seltener wird.
Und vielleicht macht gerade das den Korb für Pastaliebhaber so interessant: In ihm treffen Pasta, Landwirtschaft, Natur und Handwerk unmittelbar aufeinander.
Aus einer Pflanze, die in den feuchten Landschaften Sardiniens wächst, entsteht durch menschliche Hand ein Werkzeug, mit dem aus Hartweizengrieß eine der bekanntesten sardischen Pastasorten geformt wird.
Besonders bekannt sind Malloreddus alla campidanese, eine Zubereitung aus dem Campidano im Süden Sardiniens. Traditionell werden die Gnocchetti mit einer Sauce aus Tomaten, sardischer Wurst und Safran serviert und mit Pecorino ergänzt.
Die kräftige Sauce passt hervorragend zur gerillten Oberfläche der Malloreddus. Die kleinen Rillen halten Sauce und Käse besonders gut fest.
Damit wird auch verständlich, weshalb die traditionelle Form der Pasta so gut funktioniert: Die Riffelung ist nicht nur ein schönes Merkmal, sondern hat einen ganz praktischen kulinarischen Nutzen.
Der ciuliri ist deshalb viel mehr als ein historischer Gnocchikorb.
Er erzählt von einer Zeit, in der Lebensmittel noch stärker im Haushalt selbst verarbeitet wurden. Von Menschen, die wussten, wann eine Pflanze geerntet werden musste, wie man sie trocknet und wie aus den Fasern ein stabiler Gebrauchsgegenstand entsteht.
Und er erzählt von einer Pasta, die mit wenigen Zutaten und sehr einfachen Werkzeugen hergestellt werden konnte.
Hartweizengrieß, Wasser, ein Stück Teig – und ein geflochtener Korb.
Mehr brauchte es für traditionelle Malloreddus nicht.
Vielleicht ist genau das die schönste Seite der italienischen Pastakultur: Hinter einer scheinbar einfachen Nudelform steckt oft eine ganze Geschichte aus Landschaft, Handwerk und Alltag.
Su Ciuliri – hier geflochten mit buntem Garn
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Su Ciuliri ist ein traditioneller sardischer, aus Giunco geflochtener Korb. Er wurde ursprünglich unter anderem als Sieb verwendet und diente traditionell auch zur Herstellung und Aufbewahrung von Malloreddus.
Dazu wird ein kleines Stück Nudelteig mit dem Daumen über die geflochtene Oberfläche des Korbes gerollt. Dadurch erhält der Teig seine typische leicht gebogene Form und die charakteristischen Rillen.
Nicht ganz. Ein modernes Gnocchibrett aus Holz wird speziell zum Formen von Gnocchi und Pasta verwendet. Der traditionelle Su Ciuliri war dagegen ein vielseitiger Gebrauchsgegenstand, der unter anderem zum Sieben, zur Pastaherstellung und zum Trocknen verwendet wurde.
Für die hier vorgestellten Körbe wird Giunco, also Binse, verwendet. Die Pflanze wächst bevorzugt in feuchten Gegenden Sardiniens und wird nach der Ernte getrocknet und für das Flechten vorbereitet.
Giunco ist die italienische Bezeichnung für verschiedene Pflanzen aus der Familie der Binsen. Die biegsamen und gleichzeitig widerstandsfähigen Halme werden in Sardinien traditionell für unterschiedliche Flechtarbeiten verwendet.
Für einen traditionellen Korb braucht es nicht nur die Flechttechnik. Auch die Auswahl, Ernte und Vorbereitung des Giunco spielen eine wichtige Rolle. Das entsprechende Wissen wurde über Generationen weitergegeben und ist heute nur noch bei wenigen erfahrenen Korbflechtern vorhanden.
Ignaziu ist ein sardischer Korbflechter und einer der letzten uns bekannten Handwerker, die einen solchen traditionellen Su Ciuliri noch von Hand herstellen können. Er kennt nicht nur die Flechttechnik, sondern auch die Besonderheiten des verwendeten Giunco.
Ja. Ignaziu möchte sein Wissen gerne weitergeben und sucht Menschen, die Interesse daran haben, das traditionelle Handwerk zu erlernen. Wer sich dafür interessiert, kann sich gerne an uns wenden – wir vermitteln den Kontakt zu Ignaziu.
Traditionelle Korbflechterei wird heute nur noch von wenigen Menschen ausgeübt. Gleichzeitig wird das Wissen über Pflanzen, Ernte, Materialaufbereitung und Flechttechnik immer seltener weitergegeben. Wenn keine jüngere Generation das Handwerk erlernt, kann dieses Wissen mit den letzten Handwerkern verschwinden.
Malloreddus sind kleine sardische Gnocchetti aus Hartweizengrieß und Wasser. Sie gehören zu den bekanntesten traditionellen Pastasorten Sardiniens und werden je nach Region auch unter anderen Namen geführt.
Die Rillen entstehen durch das Rollen des Teigs über eine strukturierte Oberfläche. Sie geben den Malloreddus nicht nur ihr typisches Aussehen, sondern helfen auch dabei, Sauce aufzunehmen. Ohne die Rillen sind es Cavatelli.
Malloreddus alla Campidanese ist eine bekannte sardische Zubereitung aus dem Campidano. Die Pasta wird traditionell mit Tomatensauce, sardischer Wurst, Safran und Pecorino serviert.
Ja. Heute werden Malloreddus meist mit einem kleinen Gnocchibrett aus Holz oder einem ähnlichen geriffelten Pastabrett hergestellt. Die traditionelle Variante mit dem Su Ciuliri ist jedoch eine besonders interessante Verbindung zur sardischen Geschichte und Handwerkskultur.
Traditionell wurden die Körbe auch zum Sammeln und Trocknen der frisch geformten Pasta verwendet. Die offene Flechtstruktur ermöglicht dabei eine gute Luftzirkulation.
Nein. Jeder von Hand geflochtene Korb ist ein Einzelstück. Kleine Unterschiede in Form, Farbe, Flechtdichte und Oberfläche sind bei traditioneller Handarbeit ganz normal und gehören zum Charakter des jeweiligen Korbes.
Ja. Das natürliche Giunco verändert seine Farbe im Laufe der Zeit und wird mit zunehmendem Alter dunkler. Dadurch entwickelt ein traditioneller Korb seine ganz eigene Patina.
Traditionelle Su Ciuliri sind heute nicht leicht zu finden, da nur noch wenige Korbflechter diese Körbe herstellen. Wenn du dich für einen handgeflochtenen Korb von Ignaziu interessierst, kannst du dich gerne an uns wenden.