August 24, 2026
🇮🇹 Wenn man sich mit der Herstellung von Pasta beschäftigt, begegnet einem früher oder später der Begriff „Pasta al bronzo“ – Pasta, die durch eine Bronzematrize gezogen wurde.
Gemeint ist damit eine ganz bestimmte Oberflächenstruktur: Die Pasta erhält beim Austritt aus der Matrize eine leicht raue, poröse Oberfläche. Dadurch kann sie Saucen besonders gut aufnehmen. Genau diese Eigenschaft ist es, die mit dem Begriff „al bronzo“ verbunden wird.
Aber hier lohnt sich ein genauer Blick. Denn wenn wir heute von einer „Bronzematrize“ sprechen, ist das Material in aller Regel gar keine Bronze, sondern Messing.
Bronze und Messing sind zwei unterschiedliche Kupferlegierungen.
Bronze besteht klassischerweise hauptsächlich aus Kupfer und Zinn.
Messing ist dagegen eine Legierung aus Kupfer und Zink.
Beide Materialien haben ihre eigenen Eigenschaften. Für die Herstellung von Matrizen hat sich Messing als besonders geeignet erwiesen. Es lässt sich gut bearbeiten und fräsen und eignet sich deshalb auch für die Herstellung komplizierter Pastaformen.
Bronze ist im Vergleich härter und spröder und dadurch schwieriger zu bearbeiten. Auch beim Gewicht gibt es einen Unterschied: Bronze ist etwas schwerer. Bei einer kleinen Matrize fällt das kaum ins Gewicht – bei großen Matrizen für professionelle Pastamaschinen oder gar industriellen Matrizen kann das durchaus eine Rolle spielen.
Auch bei der Bearbeitung und beim täglichen Gebrauch hat Messing Vorteile. Und wer schon einmal eine Messingmatrize sorgfältig gereinigt hat, weiß, dass das Material trotzdem relativ empfindlich gegenüber Kratzern ist. Gerade deshalb sollte man bei der Reinigung vorsichtig sein und keine ungeeigneten Werkzeuge verwenden.
Ein weiterer Unterschied ist die Farbe: Messing wirkt eher gelblich und goldfarben, während Bronze typischerweise einen wärmeren, rötlich-braunen Farbton hat.
Das ist eigentlich die spannendere Frage.
Der Begriff „Pasta al bronzo“ ist in Italien seit vielen Jahrzehnten fest etabliert. Er beschreibt vor allem die traditionelle Art der Pastaherstellung und die damit verbundene raue Oberfläche der Pasta.
Der Begriff hat sich so stark eingebürgert, dass heute praktisch niemand auf die Idee kommt, im Alltag von „Pasta al ottone“ – also Pasta mit einer Messingmatrize – zu sprechen.
Und so hat sich der Begriff Bronzematrize auch außerhalb Italiens verbreitet. Übersetzungen übernehmen den italienischen Ausdruck häufig einfach wörtlich, und irgendwann ist aus dem ursprünglichen Begriff eine ganz normale Bezeichnung geworden.
Auch in italienischen Nudelgeschäften und bei Pasta-Herstellern wird deshalb ganz selbstverständlich von „trafile in bronzo“ gesprochen.
Das lässt sich nicht für jede Epoche und jeden Hersteller pauschal beantworten. Es ist durchaus denkbar, dass bei frühen Matrizen tatsächlich Bronze verwendet wurde. Im Laufe der technischen Entwicklung haben sich jedoch andere Materialien, insbesondere Messing, für die Herstellung von Matrizen etabliert.
Heute findet man bei den klassischen sogenannten „Bronzematrizen“ für Pastamaschinen überwiegend Messing.
Am Ende geht es bei „Pasta al bronzo“ ohnehin weniger um den Namen des Metalls als um das Ergebnis.
Beim Durchpressen des Pastateigs durch eine entsprechend bearbeitete Matrize entsteht eine charakteristische, leicht raue Oberfläche. Im Gegensatz zu sehr glatten Pastaoberflächen kann diese Struktur Sauce besonders gut festhalten.
Genau deshalb lieben viele Pastafans Pasta, die durch eine solche Matrize hergestellt wurde.
Der Ausdruck „Pasta al bronzo“ ist also keineswegs falsch – er ist ein historisch gewachsener und in Italien fest verankerter Begriff. Wenn man allerdings ganz genau auf das Material schaut, müsste man bei den heute üblichen Matrizen häufig von Messingmatrizen sprechen.
Und genau diese kleine sprachliche Ungenauigkeit möchten wir bei Pastalogia transparent machen. Denn wir finden: Wenn man sich so intensiv mit Pasta beschäftigt, darf man auch bei den Details genau hinschauen.
Wir möchten euch nicht einfach die Begriffe wiederholen, die überall zu lesen sind, sondern erklären, was tatsächlich dahintersteckt.
Denn Pasta ist für uns nicht einfach nur ein Lebensmittel. Je genauer man hinschaut, desto mehr entdeckt man: Handwerk, Technik, Geschichte, regionale Traditionen – und manchmal eben auch einen kleinen Unterschied zwischen dem, was auf der Verpackung steht, und dem, was tatsächlich im Inneren steckt. 🇮🇹
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